Was ist denn eigentlich "Boßeln"?
| Was ist denn eigentlich „Boßeln ?“ Diese Frage wird oft gestellt, wenn Gäste und Urlauber oder auch Schleswig-Holsteiner, die mal Urlaub an der Küste machen, Leute sehen, die am Deich in St. Peter-Ording oder in Kaltenhörn bei Tetenbüll mit viel Gejohle eine Kugel möglichst weit weg werfen. Boßeln ist eine alte Sportart, die vornehmlich an der Küste (Nord-, West- und Ostfriesland) betrieben wird. Aber auch in denn Niederlanden, Italien und Irland wird dieser Sport durchgeführt. Zwei Mannschaften ( Heim- und Gastmannschaft) in gleicher Stärke treten gegeneinander an. Die Boßler werden in einer „Boßelrolle“ aufgeschrieben, erhalten so eine Startnummer und jeder Wurf wird vom Schreiber akribisch dokumentiert. Der „Stocklegger“ passt an der Abwurfstelle ( dort, wo die Boßel liegen bleibt) auf und wenn der Boßler zu weit übertritt, muß der Wurf wiederholt werden. Gibt es Streitigkeiten auf dem Feld, sind die vorher bestimmten Schiedsrichter ( Kreetler) dazu da, die Unstimmigkeiten zu beseitigen und deren Wort ist Gesetz. Eine wichtige Person ist auch der „Bahnwieser“. Er zeigt durch Hochhalten der Vereinsfahne an, wohin der Boßler werden soll. Der erste Werfer, die „Nummer 1“ ist ein sicherer Werfer, der auch gute Weiten erzielt, um so möglichst schnell einen Vorsprung zu erhalten. Die Technik entspricht salopp dem des Diskuswerfens, nur mit Anlauf. Die Kugel besteht aus Holz, ist bleigefüllt und wiegt 500 Gramm. Für Kinder und Jugendliche gibt es leichtere Boßeln ( 250 bzw. 375 gr.) Geboßelt wird aber nicht nur mit der „Holz-Blei-Kugel“, es gibt auch das Straßenboßeln mit der 800 gr. schweren Eisenkugel, hier werden 10 Wurf nach Kegelart auf einer Asphaltstraße absolviert, sowie das Feldboßeln mit dem Pockholzkloot, der ca. 300 gr. wiegt. Auch hier werden meistens 10 Wurf im freien Wurfstil bewältigt. War das Boßeln früher eine reine Männerdomäne, haben sich sei vielen Jahren auch die Frauen das Boßeln (Gewicht der Boßel 375 gr.) angeeignet und erzielen durchaus sehr gute Leistungen in allen drei Boßelarten. Der Verein ist die kleinste Einheit in der Boßelhierarchie, auf Eiderstedt sind 14 Boßelvereine im Unterverband Eiderstedt organisiert und die Unterverbände Dithmarschen, Steinburg, Norden und Eiderstedt sind im Hauptverband der Schleswig-Holsteinischen Boßler vertreten. Es werden nicht Vereins-, Unterverbands- und Hauptverbandsmeisterschaften und auch deutsche Meisterschaften ausgetragen, sondern die Spitzenboßler treffen sich auch bei den Europameisterschaften, wo dann die Ostfriesen, die Holländer und Irländer auch mit der von der Partie sind. Im Standboßeln mit der 500 Gramm-Boßel hat der amtierende Deutsche Meister Sönke Dreeßen vom Mielebund (Dithmarschen) mit drei Wurf 268,55 m ( durchschn.89,52 m ) geworfen, zum 7. mal in Folge konnte er auch den Titel des Hauptverbandsmeisters ( Landesmeister) gegen eine starke Konkurrenz erringen. Um diesen alten Heimatsport am Leben zu erhalten, ist es wichtig, den Nachwuchs zu fördern. So waren 2007 über 150 6 bis 15jährige bei den Eiderstedter Unterverbandsmeisterschaften am Start. Boßeln wird aber nicht nur sportlich, sondern auch zu gesellschaftlichen Zwecken betrieben. Vor allem in der Faschingszeit treffen sich Männer und Frauen zum „Fastnachtsboßeln“. Man zieht hat zusammen los mit Musikbegleitung, es gibt was zu essen und zu trinken und nebenbei wird dann auch noch gebosselt. Abends treffen sich dann alle wieder zum Festball, auf dem dann auch Preise verteilt werden. |